Samstag, 5. September 2009

Koreas Kulinarische Köstlichkeiten

Am Mittwoch hatten wir die Idee nach Itaewon zu reisen, ein Stadtteil Seouls, der laut Reiseführer interessant für Ausländer ist, da man dort gute Einkaufsmöglichkeiten hat. Was der Korea Guide uns aber verschwiegen hatte war, dass Itaewon nur ein auf Ausländer spezialisiertes, pseudokoreanisches, unglaublich teures und dazu sauhässliches Stück Stadt ist. Wir fuhren also eine halbe Stunde dahin, liefen einmal die Straße rauf und runter, bis wir von Mc Donalds, Burger King, Subway etc so erschlagen wurden, dass wir schleunigst zurück in die U-Bahn geflüchtet sind, um so schnell wie möglich zurück zu fahren. In den Läden wurden uns Luis Vuitton und Markentaschen angepriesen und mit einem Augenzwinkern darauf aufmerksam gemacht, dass das gute Fälschungen wären. Koreabebesucher scheinen wohl auf soetwas zu stehen.

Gestern war es dann soweit und wir konnten endlich mit Mirian der Spanierin und Viola einer Deutsch-Koreanerin unsere Alien Registration Card abholen!

Diese Karte ist sehr wichtig für Ausländer, die länger als drei Monate im Land bleiben möchten und notwendig um ein Konto anzulegen oder einen Handyvertrag zu schließen. Also wir dies dann auch abgehagt hatten und nun im Besitz eines koreanischen Handys sind haben wir zusammen in einem Restaurant das ekelhafteste Essen ever seit wir in Korea sind gegessen.

Das Kimchi war alt und sauer und die Suppen schmeckten nacht geschärften Wasser. Geplagt von Magenschmerzen und Übelkeitsanfällen trafen wir wenig später Ejoo und machten uns auf den Weg zu einem traditionellen koreanischen Großmarkt namens Namdaemun.

Der Markt erinnerte an deutsche Fitschi-Läden, in denen es allerhand Klamotten für Damen fern der 50 gibt und viel Klim Bim angeboten wird. Etwas enttäuscht, aber dennoch visuell befriedigt wurden wir von Ejoo in ein feines koreanisches Restaurant eingeladen. Ihre Mutter wollte uns unbedingt ein Essen ausgeben, einfach weil wir aus Deutschland kommen. (Es gibt tatsächlich Länder in denen es vorteilhaft ist Deutsch zu sein) Das Essen war sehr exklusiv und soviel Fleisch hatten wir in der ganzen letzten Woche nicht gegessen. Dazu gab es traditionellen koreanischen Alkohol, eingelegte Perilla-Blätter, Rettich, Kimchi und scharfen Salat. Ebenso Reis. Das Fleisch wurde in einer Pfanne in der Mitte des Tisches gebraten.
Auf dem Weg zur Toillette haben wir ausversehen erstmal ein kleines koreanisches Mädchen mit der Tür ausgeknockt und waren beim betätigen der Spühlung leicht überfordert, als anstelle von Wasser, Luft aus der Toilette kam um den Po trocken zu pusten.

Später kamen wir an einem Süßigkeitenstand vorbei, an dem sehr spektakulär dargeboten Kkultarae - ein Honigfädensnack hergestellt wurde. Als Basis dieht ein Stück harter Honig, in dem ein Loch gebort wird, um es dann zu einem langen Strang zu ziehen. Dieser Strang wird in Mehl gewälz, doppelt gelegt und wieder auseinander gezogen. So verdoppeln sich die Fäden sehr schnell und am Schluss hält der Koch viele dünne Honigfäden in der Hand, welche in kleine Teile geschnitten und mit zerkleinerten Nüssen gefüllt werden.

Sehr süß und sehr lecker!

Abschließend besuchten wir ein ultra kitschiges Eiscafé mit Schaukelstühlen aus rosa Spitze, vielen Blumen und Pflanzen und sogar Schaukeln in denen Pärchen Eis essen konnten. Wir hatten noch nie einen solchen Laden gesehen und waren vollkommen fasziniert!

(EJoo beim Essen eines Kkultarae Snacks)

Was das Wohnheim angeht, halten wir es für untragbar hier länger zu bleiben und haben es selbst in die Hände genommen in das viel bessere Language Centre zu ziehen. Zwar müssen wir da Miete zahlen, aber schließlich wollen wir unseren Aufenthalt in Korea genießen und so sind es uns 150 € im Monat wert, zusammen in einem riesigen Zimmer zu wohnen und eine fantastischen Aussicht zu haben! Leider müssen wir noch ein paar Tage warten, bis wir die Unterkunft wechseln können und somit freuen wir uns schon auf die Verbesserung.

Anders als in Deutschland wird man hier sehr offen mit obdachlosen Menschen konfrontiert. So rollte ein körperlich behinderter Mann auf dem Bauch auf einem Rollbrett liegend, ohne Beine durch die Gassen des Namdaemun-Marktes, hatte eine Box dabei die munter-lustige Musik spielte und zog sich mit den Armen vorwärts. Solch ein Anblick war für uns sehr abstoßend und stellenweise ekelerregend. Der Mann hätte sich auch auf das Rollbrett setzen können, aber unterstrich seine Hilflosigkeit damit, dass er quasi mit dem Bauch auf der Straße lag. Ähnliches haben wir auch auf einer anderen Straße gesehen. Ein vollkommen verdreckter Mann auf dem Rücken in der Fußgängerzone schlief und fast tot schien. Er hatte nichts bei sich, keine Schuhe, kaputte schwarze Sachen und war ein starker Kontrast zu der sich bewegenden hellen Großstadt um ihn herum. Keiner hat ihn auch nur angesehen.

Bis zum nächsten Mal

euere Laura und Zita

1 Kommentar:

  1. lecker-lecker-lecker!!!

    Also von den Honigsnacks müsst ihr unbedingt mal welche nach Deutschland schicken!

    Das mit den Obdachlosen ist ja mal echt krass, ich schätz aber mal, ihr werdet in den ärmeren Vierteln noch schlimmeres sehen.

    und vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Artikel, mehr davon ;-)

    liebe Grüße aus dem Westen

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