Der letzte Eintrag ist ein bisschen her, fangen wir bei letzter Woche Samstag an. Da hatten wir das erste Mal freiwilligen Koreanischunterricht bei einer Organisation die den Unterricht umsonst anbietet. Du brauchst nur hingehen, deinen Namen und deine Daten angeben und darfst dir direkt einen Kurs aussuchen. Wir haben uns in Stufe 2 von insgesamt 5 einsortiert. Der Kursleiter hat uns als Erstes in die Geheimnisse koreanischen Alkoholkonsums eingeführt. Das war am Anfang ganz lustig, als es dann aber um Drinks ging, die Mann trinkt um seine Kräfte zu steigern, saßen die meisten Kursteilnehmer mit roten Köpfen und gesenktem Blick da. Nach diesem Exkurs wurde in rasantem Tempo einiges an Grammatik durchgenommen und wir hatten Mühe, alles direkt zu verstehen.
Am Sonntag sind wir nach Dongdaemun gefahren, um zu shoppen. Wir waren zu zweit und hatten keine Ahnung, wo wir ab der U-Bahnstation hingehen mussten, um den Markt zu finden. Also sind wir einfach mal losgelaufen. Die erste Strasse war voller Schuhstände. Danach sind wir eine andere Strasse entlanggelaufen, wo Tiere verkauft werden. Dort haben wir schreckliche Sachen gesehen. Es gab alle möglichen Tiere, Vögel, Reptilien, Fische und mehr, in großen Gruppen eingesperrt in winzigen Käfigen. Wir haben Katzenbabys gesehen, die völlig am Ende waren, viel zu jung und ohne Mutter lagen sie aufeinander weil sie so wenig Platz hatten und sahen halb tot aus, wie sie da in der prallen Sonne brüteten, eingequetscht zwischen Gitterstäben. Der Anblick hat uns sehr mitgenommen und wir sind so schnell wir konnten von diesem Ort geflohen. Es war ein furchtbares Erlebnis, diese hilflosen Tiere zu sehen und nichts tun zu können.
Etwas weiter weg von dieser Stelle haben wir dann doch noch die Möglichkeit gehabt, uns nach ein paar schönen Dingen umzusehen, und wir haben uns ein paar Accessoires und Klamotten gekauft.
Am Montag hatten wir wieder Illustrationsunterricht. Wir haben zu unseren Geschichten ein Storyboard angefertigt und unsere Ideen dem Herrn Professor Rhie präsentiert. Der hat sich allerdings sehr wenig für unsere Entwürfe interessiert und alles kommentarlos abgesegnet. Anschließend hat er sich nach unseren Erfahrungen mit Seoul erkundigt und uns erzählt, dass Europäer sich für das individuelle Zentrum der Aufmerksamkeit halten und wir beide doch von den Koreanern lernen sollten sich als kleiner Teil des großen Ganzen zu verstehen und sich unterzuordnen. Wir haben uns dann nach der Mittagspause Kritik von seiner Co-Dozentin Miss Kim geben lassen. Diese hat sich unsere Arbeiten sehr genau angesehen und uns konkrete Tipps gegeben, was es zu verbessern gilt. Nach dem Unterricht haben wir mal im International Office nachgehakt, warum wir immer noch nicht umziehen durften. Es stellte sich heraus, dass sich alles durch ein Missverständnis verzögert hatte und wir noch am selben Tag einziehen durften. Yeah! Jetzt wohnen wir also in einem ca. 25m² großen Zimmer im fünften Stock (es gibt zum Glück zwei Aufzüge) mit einem wahnsinnig schönen Ausblick auf die Stadt und einer großen Fensterfront mit viel Licht.
Der Raum ist auf vier Bewohner ausgelegt und dementsprechend mit zwei Hochbetten und vier Schreibtischplätzen ausgestattet, auf denen wir uns genüsslich ausgebreitet haben. Jetzt macht das Auslandssemester erst richtig Spaß.
Also haben wir am Dienstag erstmal in unseren neuen Räumlichkeiten rumgegammelt und uns akklimatisiert. Abends haben wir uns ins Bett gechillt und per Laptop Pulp Fiction geschaut. Als Butch gerade Esmeralda der Taxifahrerin beschreiben sollte, wie es sich anfühlt, einen Mann zu töten, öffnete sich unmotiviert unsere Zimmertür. Völlig verdutzt schauten wir auf und sahen eine junge Koreanerin, bekleidet mit nichts als einem Handtuch, die uns vorwurfsvoll anstarrte. Sie fragte sich wohl, warum wir so frech waren, in ihrem Zimmer einen Film zu schauen. Nach einem langen Moment des gegenseitigen Musterns fragten wir sie vorsichtig: „Wrong Room?“ In diesem Moment verwandelte sich ihr Gesichtsausdruck ziemlich schnell von leichter Verwirrung in blankes Entsetzen, und sie beeilte sich, die Tür wieder zu schließen. Wir sind in schallendes Gelächter ausgebrochen, das sie zweifellos im Flur auf der Suche nach dem richtigen Zimmer begleitet hat.
Heute, am Mittwoch, schliefen wir uns ordentlich aus und sind dann verspätet aufgebrochen, um uns Insadong anzuschauen, eine weitere Shoppingmeile. Als wir ankamen, dämmerte es bereits. Insadong ist ein wirklich schönes Viertel, wir konnten an kaum einem Laden vorbeigehen, ohne ihn zu entern und haben uns viele schöne Dinge gekauft.
Leider haben die Läden dann gegen 21 Uhr dichtgemacht, wir wollen auf jeden Fall noch einmal dorthin.
Die Werbung nimmt den Mund etwas zu voll... Frohes Schaffen, vorletzter Arbeitstag!
AntwortenLöschenIch bin wieder da! Bin völlig kaputt nach 8 Stunden heimfahrt... hoffentlich sehen wir uns die nächsten Tage (heute abend?) in Skype :)
AntwortenLöschenIch freue mich auf dich! Dein Schatz