Mittwoch, 20. Januar 2010

China Teil 2 - Xi'an

Am Mittwoch flogen wir früh nach Xi’an, das ist die ehemalige Hauptstadt von China im ungefähren Zentrum des Landes. Die Stadt ist unglaublich alt und es gibt im Boden unheimlich viele Schätze aus der Vergangenheit zu entdecken. Deshalb ist es den Anwohnern verboten, tiefer als 1,50 m im Boden zu graben. Es gab vor kurzem einen Bauern, der auf seinem Feld versehentlich ein wenig tiefer pflügte und menschliche Knochen fand. Es stellte sich heraus, dass unter dem Dorf ein Massengrab der Arbeiter lag, die im Jahre 210 v. Chr. die mittlerweile berühmte Terrakottaarmee schufen, welche sich in Xi’an befindet.

Unser Guide führte uns zu eben dieser Tonarmee und erklärte uns, dass es sehr viele Archäologen und Grabräuber in der Stadt gibt. Die Terrakottaarmee ist eigentlich eine Grabbeigabe, und nur ein kleiner Teil des Mausoleums wurde bisher freigelegt, weil die Wissenschaft nicht in der Lage ist die Relikte angemessen zu konservieren. Also treten sich die Archäologen beim Warten gegenseitig auf die Füße und müssen solange Däumchen drehen, bis eine Lösung gefunden ist.

Die Tonfiguren, die wir zu sehen bekamen, waren sehr beeindruckend: Bis zu einen Meter neunzig groß und jede ganz individuell gestaltet, alle Gesichter hatten ihren eigenen Ausdruck.

Den nächsten Tag begannen wir mit der Wildganspagode, die Teil eines praktizierenden buddhistischen Tempels ist.

Anschließend besichtigten wir den Steelenwald, eine Sammlung von großen Steinplatten, in die alte Kalligrafien eingemeißelt sind.
Danach besuchten wir eine weitere Seidenfabrik, in der uns unter anderem erklärt wurde, wie ein Seidenteppich geknüpft wird und was das für eine aufwändige Arbeit ist.

Weiter ging es zur großen Moschee, die im Zentrum der Altstadt liegt und umgeben ist von einem bunten Markt voller Souvenirs und Schnickschnack. Sobald wir uns näherten sprangen die Händler aus ihren Läden und lobten laut ihre Waren und ihre günstigen Preise. Leider eilte unser Reiseführer Joe so schnell durch die schmalen Gassen, dass wir nur im Vorbeirennen einen kurzen Blick auf die Marktstände werfen konnten.

Zuletzt brachte uns Joe zur Stadtmauer, die in ganz China die am besten erhaltenste ist. Sie ist fast vierzehn Kilometer lang und bis zu achtzehn Meter dick, und alle Gebäude innerhalb der Mauer müssen traditionelle Dächer haben, um die Optik nicht zu stören.

Es war mittlerweile Nachmittag, aber immer noch zu früh, um zum Bahnhof zu fahren, wo uns ein Nachtzug nach Peking bringen würde. Wir setzten uns in ein Café, tranken Milchtee und diskutierten ein wenig über China. Joe behauptete, es gäbe keine friedlichere Nation und Tibet sei von diktatorischen Mönchen befreit worden, die sich Sklaven hielten und erbarmungslos mit ihrem armen Volk umgegangen seien.

Schließlich war es so weit und wir verließen Xi’an. Das Zugabteil in dem wir fuhren bestand aus engen Kabinen mit je vier Betten. Unser Quartier teilten wir uns mit zwei älteren Fremden, einer schnarchenden Frau und einem schmatzenden Mann, und weil es die meiste Zeit dunkel war konnten wir leider nicht viel von der Landschaft erkennen, durch die wir etwa dreizehn Stunden lang fuhren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen