Frohes neues Jahr!
Das ist jetzt etwas verspätet, aber wir hatten in den letzten Tagen viel um die Ohren.
Silvester in Seoul ist eine relativ unspektakuläre Angelegenheit. Die Koreaner feiern den Jahreswechsel nach dem Mondkalender, deshalb ist der 31.12. kein besonders außergewöhnliches Datum für sie sondern in diesem Falle der 14.02.2010.
Wir hatten uns mit Da-Young zum Kino verabredet, um uns "Jeon Woo Chi - The Taoist Wizard" anzuschauen, eine koreanische Actionkomödie mit englischen Untertiteln, die uns sehr gut gefallen hat. Die Geschichte spielt in Seoul, beginnt in der Vergangenheit vor fünfhundert Jahren und springt dann zur Gegenwart. Begeistert erkannten wir einige Drehorte aus Seoul wieder, die wir selbst schon besucht hatten.
Im Anschluss an den Kinobesuch wollten wir uns mit Miriam der Spanierin und Anthon, einem Amerikaner, zum Abendessen treffen. Auf dem Weg zu unserer Verabredung verfuhren wir uns mit der U-Bahn und mussten umsteigen. Dabei trat Zita Da-Young mit Schwung von hinten auf den Schuh, welcher ihr vom Fuß rutschte und zwischen U-Bahn und Bahnsteig fiel. Erschrocken standen wir da wie Schafe und mussten uns erstmal sortieren, zum Glück bekamen wir Hilfe vom Personal, das die Situation recht erheiternd fand. Dajong bekam ihren Schuh wieder und wir sprinteten weiter, mittlerweile völlig verspätet.
Entsprechend entnervt waren unsere Freunde, als wir endlich ankamen. Das Restaurant welches sie ausgewählt hatten serviert unverschämt teure westliche Speisen, zusätzlich sollten wir noch einmal eine Dreiviertelstunde auf einen freien Tisch warten. Darauf hatten wir nicht wirklich Lust und schlugen ein anderes Lokal vor. Nach einigem hin und her ließen sich die anderen überreden und wir wechselten über in eine Kneipe, wo es ähnliches Essen zu moderaten Preisen gibt. Dort blieben wir den Rest des Abends, tranken Bier und redeten über Kulturunterschiede und was uns nach Korea verschlagen hat.
Um halb zwölf waren wir wieder im Wohnheim, wir wollten die Nacht nicht durchfeiern, deshalb hielten wir die Sperrstunde ein. Es war sehr kalt und wir waren beide erkältet, da wir aber bald nach China aufbrechen würden, wollten wir so fit wie möglich sein. Mitternacht stießen wir mit Kaffe aus dem Automaten auf das neue Jahr an und konnten aus unserem Fenster ein winziges kurzes Feuerwerk sehen, das wohl ein paar Ausländer organisiert hatten.
Den ersten Tag im neuen Jahr verbrachten wir mit Ejoo und ihrer Familie. Sie luden uns zu traditionellem koreanischem Neujahrsessen ein, einer Rindfleischsuppe, und zum Nachtisch gab es süße Wintererdbeeren. Ejoos Mutter ist Künstlerin und Kalligrafin und als wir mit dem Essen fertig waren überreichte sie uns je ein Bild, das sie für uns angefertigt hatte. Auf jedem Bild waren wir in dem Hanbok abgebildet, den wir an Chusok getragen hatten, dem koreanischen Erntedankfest. Dazu hatte sie unsere Namen und Neujahrswünsche geschrieben, alles auf traditionellem koreanischen Papier. Wir waren gerührt und freuten uns sehr über dieses Geschenk.
Im Anschluss fuhren wir zum Künstlerdorf Heri und bestaunten die stylische Architektur der Gebäude.
Weil es sehr kalt war, gingen wir in ein Filmmuseum, welches leider nicht beheizt war. Wir klapperten alle Räume ab und flohen dann ins Auto, um uns ein wenig aufzuwärmen.
Zum Abschluss lud uns eine Freundin der Familie zu koreanischem Rindfleischessen ein. Ein Dorf in der Nähe ist berühmt für sein besonders köstliches Rindfleisch, und die Freundin von Ejoos Mutter wählte ein besonders gutes Restaurant, welches sich hinter einer Metzgerei befand. Man kauft also das Fleisch an der Theke und geht durch eine Tür in den hinteren Bereich, wo gegessen wird. Auf den Tischen ist ein Grill und man kann sich Beilagen und Reis dazubestellen. Wir aßen zum ersten Mal rohes Rindfleisch, großzügig in dicke Stücke geschnitten. Es war unheimlich lecker!
Danach wurden wir wieder zum Wohnheim gebracht und waren völlig durchgefroren. In den folgenden Tagen bereiteten wir uns auf unsere Chinareise vor, die wir am dritten Januar antraten.
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